Geschichte

Zur Geschichte der Kapelle Neuensalz

Der Sakralbau konnte 1981 buchstäblich in letzter Minute vor dem Abbruch bewahrt werden. Aus den zur Vorbereitung des Abbruchs notwendigen Untersuchungen ergab sich eine neue, überraschende kulturhistorische Wertung des bisher als neugotisch klassifizierten und vom denkmalpflegerischen Standpunkt aus wertlosen Bauwerks.
Die Freilegung eines vor Jahrhunderten zugemauerten romanischen Fensters sowie der einzigartige, fast rechteckige Grundriss des einschiffigen Saals ohne Apsis erlaubt eine Datierung in die Mitte des 12. Jahrhunderts. Scherbenfunde aus dem frühen 13.Jh. untermauern dies. Es wird angenommen, dass die Kapelle auf den Festen einer heidnischen Kult- und Opferstelle errichtet wurde.
Damit gehört sie zu den ältesten Bauwerken des Vogtlandes und ist von überregionaler Bedeutung. Ihre Gründung geht wahrscheinlich auf den Deutschen Ritterorden zurück. Die erste urkundliche Erwähnung ist 1529 nachzuweisen. In dieser Zeit gehörte sie schon zur evangelischen reformierten Kirche und wurde vorwiegend als Rittergutskapelle genutzt. Unter der Regie des Rittergutsbesitzers Casimir G. von Beust, dessen Familie von 1693 - 1844 in Neuensalz herrschte, wurden erste einschneidende Veränderungen an der romanischen Bausubstanz vorgenommen.
Die Kapelle wurde mit einer barocken Empore und einer Holzfelderdecke ausgestattet, ein barocker Kanzelaltar gefertigt. Beust legte unter einem Teil des Saals eine Familienbegräbnisgruft an, in der von 1715 - 1817 16 Beisetzungen erfolgten. Weitere wesentliche bauliche Veränderungen veranlasste der Gutsherr Otto Seiler um 1854. Die Kapelle bekam ihr äußeres neugotisches Gepräge. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. erlag sie immer mehr dem baulichen Verfall. 1967 musste der Gottesdienst eingestellt werden. Nach Feststellung der kulturhistorischen Wertigkeit des Sakralbaus war ein Abriss nicht mehr möglich.
Unter Denkmalsschutz gestellt, erfolgte eine sechsjährige Rekonstruktion und Restaurierung, vorwiegend aus Mitteln der staatlichen Denkmalpflege. Wesentliche Bestandteile des Kircheninneninventars sind in der Kirche in Altensalz sichergestellt und eingelagert. Die Rechtsträgerschaft hat das Landratsamt Vogtlandkreis inne. Die Rekonstruktion erfolgte in der Bemühung, den barocken Baustil nachzuempfinden, wie er um 1840 auf Bildern dokumentiert war. Es entstand ein wunderschönes Konzert- und Ausstellungszentrum, ein ideales Domizil nicht nur für Kammer-, Chor- und Orgelkonzerte, sondern auch für musikalisch-literarische Programme und Kabarettveranstaltungen.

Wechselnde Ausstellungen sind in der Kleinen Galerie zu sehen.

Saalgröße: ca. 9 x 11 Meter
offenes Podest: 2,80 x 9 Meter
Platzkapazität: ca. 70 Plätze im Parkett und 30 Plätze auf der Empore
Fußbodenheizung im Saal
Akustik: sehr gut
Instrumente: FÖRSTER-Flügel
LINDHOLM-Cembalo
JEHMLICH-Orgel

§ Vermietung des Saals an Privat und Fremdveranstalter

§ Durchführung von standesamtlichen Eheschließungen (auch Samstags möglich)

§ Verkehrslage: von Plauen 8 km auf der B 173 in Richtung Reichenbach/Falkenstein

§ 2 Minuten von der Autobahnabfahrt Plauen Ost

§ Parkplatz 1 Gehminute von der Kapelle entfernt


Auszüge des Bautagebuches der Jehmlich Orgel in der Kapelle Neuensalz:

Am 13. /14. Januar 1977 wurde die Neuensalzer Orgel wegen Baufälligkeit der Kapelle Neuensalz ausgebaut.
Im September 1978 wurde sie der Kirchgemeinde Jonsdorf übergeben und dort wieder aufgebaut. Hier ist sie auch heute noch in Betrieb.

Von 1982 – 1987 wurde die Kapelle restauriert, dabei wurde auf eine Orgel verzichtet.

Februar 1993:
Beginn der Arbeiten am jetzigen Standplatz der Orgel, eine stützende Balustrade und eine Säule mussten erneuert werden.

1. März 1993:
Endlich geht es los, die Orgelbauer Eberhardt Dobberkau und Thomas Braun aus Dresden sind nun vier Wochen in Neuensalz zu Gast schon gibt es Probleme.
Um an alle Bereiche der Orgel zu kommen, muss sie schräg gestellt werden, was optisch etwas bedenklich stimmt.
Windlade und Spieltisch und das restliche Gerüst stehen schon.

2. März 1993:
Die Restaurierungswerkstatt Müller und der Elektromeister Rost informieren sich über die anstehenden Arbeiten.
Außerdem werden die ersten präparierten Abstrakten eingebaut und die Registerstöcke vorbereitet.

3. März 1993:
Heute werden die Elektroinstallationen vorgenommen und 700 Orgelpfeifen ausgepackt.

4. März 1993:
Die Prospektpfeifen werden probeweise eingesetzt, das erste mal wird die Schönheit der Orgel sichtbar.

5. März 1993:
Der Grundanstrich der Orgel beginnt.

8. März 1993:
Orgelbaumeister Horst Jehmlich kommt persönlich nach Neuensalz um sich über den Stand der Arbeiten einen Eindruck zu machen.

10. März 1993:
Das Registergehäuse ist fast vollständig ausgefüllt, nun ist die Tastendruckmessung an der Reihe.
Das Register besteht aus 714 Pfeifen aus einer Blei-Zinn-Legierung, die Pedale haben 42 Pfeifen davon 30 aus Holz.
Endlich sind die ersten Töne zu hören.

12. März 1993:
Der Anstrich der Orgel wird vollendet.

15. März 1993:
Die Intonierungsarbeiten werden vorgenommen.

18. März 1993:
Kleine Schönheitsreparaturen werden durchgeführt.

22. März 1993:
Erstmalig interessiert sich die Presse für das Vorhaben, außerdem wird der Teppichboden verlegt und die Beleuchtung besprochen.

24. März 1993:
Das Finale ist erreicht, Mixtur, Nasat und Koppelflöte werden als letztes eingebaut, um 19.15 Uhr erklingen von den Instrumentenbauern die ersten vollständigen Töne.

2. April 1993:
Der Gutachter und Domorganist Reimund Böhmig stellt ein gutes Zeugnis aus.

3. April 1993:
Öffentliche Präsentation.

Februar 2010:
Überholung der Orgel

Diese Informationen wurden von Ulrich Steger erstellt